Wer früh viel liest, wird später schlau – heisst es immer. Und tatsächlich stimmt das. Aber wie bringe ich mein Kind zum Lesen?
Betrachtet man diese Aussage einmal ganz nüchtern, ergibt das ja Sinn: Menschen, die viel lesen, nehmen automatisch viel Wissen auf und verfügen in der Regel über einen größeren Wortschatz – und das ist schon im frühen Alter nachweisbar. Außerdem regt das Lesen die eigene Fantasie an und schult unsere Konzentrationsfähigkeit. Liest man von Anfang an auch gelegentlich in einer Fremdsprache, bekommt man quasi Sprachunterricht „umsonst“ und lernt ganz nebenbei.
Das (Vor-)Lesen ist zudem ein wichtiges Werkzeug, um den Wortschatz gründlich aufzubauen. An der Ohio State University wurde hierzu eine Studie durchgeführt – mit erstaunlichen Ergebnissen: Zwischen Kindern, denen nie vorgelesen wird, und Kindern, die täglich Zugang zu Büchern haben, kann bis zum 5. Lebensjahr eine Lücke von bis zu einer Million Wörtern entstehen.
„Die Wortlücke von mehr als 1 Million Wörtern zwischen Kindern, die in einer literarisch reichen Umgebung aufwachsen, und denen, denen nie etwas vorgelesen wurde, ist verblüffend“, sagte Logan.
Hier das Journal (Englisch): When Children Are Not Read to at Home – The Million Word Gap.
Also sollte das Lesen auf keinen Fall vernachlässigt werden.
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Aber wie bringe ich mein Kind zum Lesen?
Vor allem in Zeiten von Spielekonsolen, Smartphones und Flatscreens wirkt ein herkömmliches Buch oft unspektakulär und wird schnell als „langweilig“ abgestempelt. Viele Eltern finden das schade – wissen aber nicht immer, wie sie die Lust am Lesen wecken können.
Nicht schlimm!
Es gibt viele Strategien, um die Neugier und Freude auf Bücher zu fördern. Hier ein paar hilfreiche Tipps:
1. Vorbild sein
Lest ihr selbst gerne? Kinder orientieren sich stark an dem, was Erwachsene tun. Wenn Bücher einen festen Platz in eurem Alltag haben, wird euer Kind dieses Verhalten eher übernehmen. Zeigt euren Kindern, dass euch Bücher Freude machen – so stärkt ihr ganz automatisch ihr Interesse.
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2. Vorlesen
Am besten ist es natürlich, wenn Kinder mit Büchern aufwachsen und schon früh die spannende Welt der Geschichten entdecken. Das gelingt am einfachsten, wenn sie es gewohnt sind, regelmäßig vorgelesen zu bekommen. Das motiviert sie auch, irgendwann selbst lesen zu wollen. Zudem ist es ein wunderbares Ritual, das Eltern und Kinder verbindet – sei es die Gute-Nacht-Geschichte oder eine gemütliche Story-Time am Wochenende.
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3. Ein neues Buch kaufen
Unterschätzt niemals einen guten Buchhändler. Er oder sie kennt die neuesten Schätze auf dem Markt und weiss genau, welche Titel gerade für welche Altersgruppe besonders spannend sind. Ein gemeinsamer Besuch in der Buchhandlung kann zu einem kleinen Highlight werden – oder sogar eine Belohnung für besondere Leistungen.
Noch ein Tipp für kleine Leseratten: Viele Bücher können auch günstig in der Bibliothek ausgeliehen werden. Dort gibt es ebenfalls hervorragende Beratung.
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4. Einen geeigneten Leseort schaffen
Wer gerne liest, weiss: Der Ort, an dem man liest, ist oft genauso wichtig wie das Buch selbst. Für Kinder sollte er gemütlich, ruhig und gut beleuchtet sein. Eine kleine Leseoase zuhause – mit Kissen, Decke und vielleicht einer kleinen Leselampe – macht das Lesen direkt viel attraktiver.
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5. Selbst bestimmen lassen
Kinder sind nur kleine Menschen – aber mit großen Persönlichkeiten. Sie möchten mitbestimmen. Unterschätzt nie, wie viel es ausmacht, wenn Kinder selbst wählen dürfen. Lasst sie das nächste Buch oder Thema aussuchen. Die Motivation steigt oft ganz automatisch, wenn die Entscheidung bei ihnen liegt.
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Lesen ist viel mehr als nur das Entziffern von Wörtern – es ist eine gemeinsame Reise in neue Welten, voller Fantasie, Wissen und wertvoller Momente zwischen Eltern und Kindern. Wenn wir einen gemütlichen Leseort schaffen, regelmäßig vorlesen, Interesse zeigen und unseren Kindern Mitbestimmung geben, entsteht ganz von selbst eine positive Verbindung zu Büchern. Jedes Kind findet seinen eigenen Zugang zum Lesen, und manchmal braucht es nur ein bisschen Geduld, Vorbilder – und die richtige Geschichte zur richtigen Zeit.


