Selbstvertrauen entsteht oft nicht durch große Reden oder perfekten Erfolg. Selbstvertrauen entsteht auch nicht, wenn alles nur gut gelaufen ist. Es wächst meistens viel leiser und allmählich. Kinder lernen es durch unterschiedliche Erfahrungen. Eins ist klar: Selbstvertrauen unterstützt Kinder in jeglichem Lebensbereich.
Alle Eltern (und Lehrer) wünschen sich für Kinder Mut, Selbstständigkeit und innere Stärke. Genau diese Dinge entstehen oft in ganz kleinen Alltagsmomenten. Zum Beispiel dann, wenn ein Kind merkt:
- Ich kann etwas alleine.
- Ich habe etwas durchgezogen.
- Meine Meinung zählt.
- Ich darf Fehler machen und es dann ausbessern.
- Ich werde ernst genommen.
Kinder sind sehr aufmerksam (auch wenn sie manchmal nicht so wirken) – sie beobachten die ganze Zeit die Welt und auch die Menschen, von denen sie umgeben sind. Vor allem lernen sie viel von den großen Menschen in ihrer unmittelbarer Umgebung.
Oft sind es nicht nur direkte Gespräche, sondern auch kleine Taten, Blicke, unsere Bewertung oder einfach ein paar Worte. Kinder merken sich alles!
Um an sich selbst zu glauben und mehr Selbstvertrauen zu gewinnen, brauchen Kinder weniger Druck – und mehr menschliche Interaktion, die ihre Welt positiv prägen. Wir wünschen uns, dass alle Kinder der Welt verstehen, wie besonders und einzigartig sie sind!
Diese kleine Dinge lassen das Selbstvertrauen bei Kindern enorm wachsen.
1. Kinder ausreden lassen
Kinder erzählen oft langsam. Mit Umwegen. Mit Nebensätzen. Mit plötzlichen Themenwechseln. Mit ganz viel Einatmen zwischen durch. Und das ist in Ordnung. Wir sollten sie dabei weder beeilen, noch unter Druck setzen, noch – im schlimmsten Fall – abbrechen lassen.
Wenn wir einfach geduldig zuhören, steckt darin etwas Wichtiges:
Das Gefühl, gehört zu werden.
Wenn Kinder merken, dass Erwachsene wirklich zuhören, stärkt das oft ihr Selbstwertgefühl enorm. Sie lernen dadurch:
👉 „Meine Gedanken sind wichtig.“
👉 „Ich darf Raum einnehmen.“
👉 „Ich bin in Ordnung so, wie ich bin.“
Natürlich klappt das nicht immer im stressigen Alltag. Aber manchmal reichen schon ein paar ehrliche Minuten Aufmerksamkeit. Oft passiert es uns zwischen den Unterrichtseinheiten. Wir lassen unsere Kids immer ausreden! Wenn die Zeit uns aber wirklich im Nacken sitzt, helfen wir den Kindern nur ein wenig, und zwar: Wir fragen genau nach, und zwar nicht nach all den Umwegen oder Nebenthemen, sondern nach der Sache, die den Kindern wirklich wichtig ist. Dann sagen wir wirklich ehrlich „Danke für’s Teilen!“ und signalisieren, dass wir uns nächstes Mal wieder unterhalten werden. Und das tuen wir tatsächlich.
2. Nicht nur gute Ergebnisse loben
Viele Kinder hören oft: „Toll gemacht!“ … aber meistens erst dann, wenn etwas perfekt geklappt hat. Das ist aber nicht immer der Fall. Außerdem ist das Ergebnis oft gar nicht das aller Wichtigste – vor allem bei Kindern. Was wirklich zählt ist Mut, Kreativität, Neugier, Durchhalten und Ausprobieren.
Manchmal stärkt ein Satz wie: „Ich finde toll, dass du es versucht hast.“ viel mehr als reines Leistungs-Lob.
Denn Kinder dürfen lernen, dass ihr Wert nicht nur vom Ergebnis abhängt. Wenn sie verstehen, dass wir das Ergebnis nicht auf das Podest stellen, sind sie viel mehr interessierter, etwas auszuprobieren. Und Ausprobieren ist ein Wundermittel: Nicht nur für die Persönlichkeitsentwicklung und Wachstum, sondern auch für Resilienz und eine positivere Einstellung zu sich selbst un der Welt. Auch wenn beim Ausprobieren Fehler passieren.
3. Fehler normal machen
Viele Kinder haben heute schon früh Angst davor, etwas falsch zu machen. Sogar im Kindergartenalter merken wir den Stress bei manchen ganz einfachen Aufgaben. Warum? Weil sie schon in dem Alter Fehler meiden wollen.
Dabei gehören Fehler ganz selbstverständlich zum Lernen – und zum Leben – dazu. Eigentlich lernen wir Menschen oft sogar genau DADURCH.
Gerade beim Sprachenlernen merken wir das ganz genau: Kinder, die sich trauen zu sprechen, machen natürlich Fehler. Aber genau dadurch werden sie sicherer. Wir als Lehrer können sie dabei unterstützen und mit jedem Versuch merkt man sich Dinge besser.
Deshalb versuchen wir bei Happy Fox immer wieder zu vermitteln:
✨ Fehler sind nichts Peinliches.
✨ Fehler zeigen, dass man etwas ausprobiert.
✨ Fehler bedeuten nicht, dass man „schlecht“ ist.
Und manchmal hilft es Kindern unglaublich, wenn Erwachsene eigene Fehler ebenfalls entspannter behandeln. Mich beruhigt eine meiner Privatschülerin enorm. Wenn etwas schief läuft, reagiert sie nie über und das Erste, was sie sagt ist ein sanftes „It’s OK.“ so, als ob sie nicht nur sich selbst beruhigen, sondern auch gleich der restlichen Welt signalisieren möchte: Hier werden Fehler nicht verteufelt oder bestraft. Es ist ganz fein, wir machen jetzt einfach weiter. Ein großes Danke dafür geht an Johanna! Ihr „It’s OK.“ beruhigt mein Nervensystem sofort.
4. Kleine Aufgaben und Verantwortung geben
Kinder wachsen unglaublich an kleinen Aufgaben. Auch hier darf man nicht vergessen, dass Fehler passieren dürfen. Dennoch sollten wir den Kindern ruhig den Raum geben, die Aufgaben in ihrem Tempo zu erledigen, bei Fehlern weiter zu machen, ohne dass großes Drama entsteht und so Verantwortung zu übernehmen.
Es müssen keine großen Aufgaben sein, aber etwas, was wirklich hilft (also keine ausgedachten Dinge wie, ich mische jetzt Reis und Hafer zusammen und du solltest es auseinander nehmen). Kinder können zum Beispiel:
Den Tisch decken.
Pflanzen gießen.
Beim Kochen helfen.
Etwas erklären dürfen.
Ein anderes Kind unterstützen.
Solche Momente geben Kindern häufig das Gefühl: Man traut mir etwas zu. Und das ist ein Stolz- und Selbstbewusstseins-Katalysator. Dadurch wächst echtes Selbstvertrauen.
Im Unterricht fragen wir die Kinder öfters nach Hilfe. Und dabei meinen wir nicht nur die klassischen Aufgaben wie Tafel abwischen oder Stühle hochstellen. Wir lassen sie bei der Anwesenheitsliste helfen, wir überlegen manchmal gemeinsam, welche Themen wir als nächstes behandeln wollen, sie dürfen auch bei Spielen helfen und andere Kinder unterstützen, ohne dass wir als Lehrer sofort eingreifen. Und ganz ehrlich – das tut nicht nur den einzelnen Kindern gut, sondern stärkt enorm die Gruppendynamik.
5. Kinder stolz auf sich sein lassen
Vielleicht einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Kinder dürfen ruhig und ohne schlechtes Gewissen sagen: „Schau mal, was ich kann!“ oder „Schau, wie gut das geworden ist!“
Das ist keine Einbildung oder Angeben, das ist oft etwas sehr Gesundes. Viele Erwachsene verlernen irgendwann, sich ehrlich über eigene Fortschritte zu freuen. Kinder dagegen strahlen oft noch richtig, wenn sie etwas Neues gelernt haben. Genau dieses Gefühl stärkt Selbstvertrauen enorm.
Kinder brauchen Feedback von der Welt und das ist einer der Weg, wie sie es einfordern. Begrüße es und mach es ehrlich, intensiv und mit deiner Präsenz. Nicke nicht nur zu, sondern nimm es wahr, was dein Kind dir erzählt. Noch besser: Stelle Fragen dazu und freue dich über diesen Austausch.
Wenn Kinder lernen, die Erfolge zu feiern, ist es spannender, sich dafür Mühe zu geben also lass dein Kind nie die Fortschritte unter den Teppich kehren! Denk dran: Was für Erwachsene als Kleinigkeiten erscheinen, wirkt auf Kinder ganz anders. Rede also nichts klein und begegne deinem Kind auf Augenhöhe – das ist übrigens das Kind-Eltern-Verhältnis essentiell. Das hat auch Familienportal in diesem Artikel aufgegriffen.
Kleine Dinge können Großes bewirken
Selbstvertrauen entsteht nicht über Nacht. Und nicht, wenn etwas einmal gut klappt.
Es wächst langsam:
Durch Vertrauen. Durch Erfahrungen. Durch kleine Erfolgsmomente. Durch ehrliches Zuhören. Durch Respekt. Durch Freiräume.
Vor allem, einfach dadurch, dass ein Kind spürt:
„Ich bin genauso richtig, wie ich bin.“
Kinder entdecken erst die Welt. Wenn wir gleich vergleichen, bewerten und sie zurecht rücken, nehmen wir ihnen dadurch die Chance auf eine eigene Entwicklung. Ja, wir haben schon so vieles hinter uns, aber für Kinder geht das Leben erst los. Und Selbstvertrauen aufzubauen gehört zu einer der wichtigsten Aufgabe!
Vielleicht vergessen wir Erwachsenen manchmal, wie viel Kraft in kleinen Momenten stecken kann. Also lass dein Kind die Welt entdecken und sei einfach dabei: Begleite, Unterstütze und Staune mit.



